Eingetragen oder aktualisiert am 28.05.2012
Rechtsprechungsticker von Tacheles KW 22/2012
vom 28.05.2012

1.   Entscheidung des Bundessozialgerichts vom 25.01.2012 zur Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II)

1.1 - BSG, Urteil vom 25.01.2012, - B 14 AS 101/11 R -

Einnahmen aus der Erbschaft sind Einkommen, denn Im Fall der Gesamtrechtsnachfolge kann der Erbe bereits mit dem Erbfall über seinen Anteil am Nachlass verfügen.

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2.   Entscheidung des Bundessozialgerichts vom 23.05.2012 zur Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II)

2.1 - BSG, Urteil vom 23.05.2012,- B 14 AS 100/11 -

Hartz-IV-Empfänger muss Münzsammlung verkaufen, wenn ihr Verkauf nicht unwirtschaftlich ist.

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Anmerkung:
Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen Urteil vom 10.08.2010, - L 7 AS 382/08 -,Revision anhängig beim BSG unter dem AZ.: - B 14 AS 100/11 R -

Die Verwertung einer Münzsammlung ist nicht bereits dann unwirtschaftlich im Sinn des § 12 Abs. 3 Satz 1 Nr. 6 SGB II, wenn der auf dem Marktgeschehen beruhende Verkehrswert geringer ist als es die Anschaffungskosten gewesen sind.

Das Risiko, dass aufgrund sich veränderter Marktpreise wirtschaftliche Verluste eintreten, liegt in der Sphäre des Leistungsberechtigten.



3.  Entscheidungen der Landessozialgerichte zur Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II)

3.1 - Bayerisches Landessozialgericht, Beschluss vom 07.05.2012,- L 11 AS 292/12 B PKH -

Für eine Verfassungswidrigkeit des neuen Regelbedarfsgesetzes gibt es keine Anhaltspunkte.

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Anmerkung: Anderer Auffassung :Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 17.04.2012,- L 7 AS 1408/11 B -

Bewilligung von PKH, denn die Regelbedarfe sind der Höhe nach verfassungswidrig festgesetzt worden.


3.2 - Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschlüsse vom 21.05.2012,- L 12 AS 609/12 B ER - und - L 12 AS 610/12 B -

Erforderlich ist ein Umzug, wenn für ihn ein vernünftiger Grund vorliegt, von dem sich auch ein Nichthilfeempfänger leiten lassen würde. Das ist nach der Gesetzesbegründung insbesondere der Fall, wenn der Wohnungswechsel zur Eingliederung in Arbeit oder aus gesundheitlichen oder sozialen Gründen erforderlich ist, nicht hingegen genügt es, wenn der Umzug lediglich sinnvoll oder wünschenswert erscheint (vgl. hierzu Boerner in Löns/Herold-Tews, SGG, 3. Aufl. 2011, § 22 Rdz 57 m.w.N.).

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3.3 - Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschlüsse vom 16.05.2012,- L 6 AS 725/12 B ER - und - L 6 AS 726/12 B -

Ein Anordnungsgrund in einem auf Gewährung laufender Leistungen für die Unterkunft und Heizung gerichteten Verfahren ist regelmäßig erst dann gegeben, wenn konkret Wohnungslosigkeit droht (vgl. auch LSG NRW, Beschluss vom 27.11.2008, L 9 B 183/08 AS ER Rn 11 m.w.N.).

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3.4 - Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 16.05.2012,- L 19 AS 719/12 B ER

Leistungsausschluss nach § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB II für rumänischen Staatsbürger, da sich das Aufenthaltsrecht des Antragsstellers allein aus § 2 Abs.2 Nr.1 FreizüG/EU - Aufenthalt zum Zwecke der Arbeitsuche - ergibt.

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Anmerkung:
Bislang ist nicht geklärt, ob die Vorschrift des § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB II mit dem Gemeinschaftsrecht der Europäischen Gemeinschaft vereinbar ist und damit für EU-Bürger einschränkend auszulegen ist. Dies ist in Rechtsprechung und Kommentierung umstritten (vgl. LSG Berlin-Brandenburg Beschlüsse vom 29.02.0212 - L 20 AS 2347/11 B ER - und vom 03.04.2012 - L 5 AS 2157/11 B ER mit Zusammenfassung des Meinungsstandes; siehe auch LSG NRW Beschluss vom 07.12.2011 - L 19 AS 1956/11 B ER LSG NRW Urteil vom 22.06.2010 - L 1 AS 36/08 -).

Anmerkung II:
Georg Classen, Berliner Flüchtlingsrat hat in einer Kurzkommentierung zur EFA-Vorbehaltsregelung die Sach- und Rechtslage zusammengefasst und die aktuelle Rechtsprechung eingearbeitet:
www.fluechtlingsinfo-berlin.de (pdf)


3.5 - Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschlüsse vom 14.05.2012,- L 19 AS 702/12 B ER - und - L 19 AS 703/12 B -

§ 22 SGB II ist keine Rechtsgrundlage zur Übernahme von Kosten für beruflich genutzte Räume (so etwa BSG Urteil vom 13.04.2011 - B 14 AS 32/09 R, Rn 35 unter Bezugnahme auf BSG Urteil vom 23.11.2006 - B 11b AS 3/05 R, Rn 15).

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3.6 - Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 09.05.2012,- L 19 AS 611/12 B ER -

Einen Mehrbedarf für Arzneimittel und Hilfsmittel sieht § 21 SGB II nicht vor.

Die Kosten einer notwendigen medizinischen Behandlung sind durch den Anspruch auf Krankenbehandlung nach § 27 Abs. 1 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) gedeckt (vgl. BSG Urteil vom 15.12.2010 - B 14 AS 44/09 R, Rn 21 m.w.N).

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4.   Entscheidungen der Sozialgerichte zur Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II)

4.1 - Sozialgericht Berlin, Beschluss vom 14.05.2012, S 124 AS 7164/12 ER -

1. § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB 2, der Ausländerinnen und Ausländer, deren Aufenthaltsrecht sich allein aus dem Zweck der Arbeitsuche ergibt, von den Leistungen nach SGB 2 ausnimmt, ist trotz des Gleichbehandlungsgrundsatzes in Art 1 des Europäischen Fürsorgeabkommens (EuFürsAbk) vom 11.12.1953 anwendbar, da der von der Bundesregierung gemäß Art. 16 Buchst b EuFürsAbk erklärte Vorbehalt mit Art 59 Abs 2 S 1 Grundgesetz (GG) vereinbar ist.

2. § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB 2 widerspricht auch nicht Gleichbehandlungsgrundsätzen des europäischen Sekundärrechts (Art. 24 Richtlinie 2004/38/EG (EGRL) vom 29.4.2004 - Unionsbürgerrichtlinie - ; Art. 4 Verordnung [EG] Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29.4.2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit --EGV 883/2004-). Dagegen kommt ein Verstoß gegen europäisches Primärrecht in Betracht, und zwar gegen das allgemeine Diskriminierungsverbot des Art 18 Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) (ex-Artikel 12 EWGVtr), nicht jedoch gegen das Prinzip der Freizügigkeit der Arbeitnehmer nach Art 45 AEUV (ex-Artikel 39 EWGVtr)

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Autor des Rechtsprechungstickers: Willi 2 von Tacheles

Quelle: Tacheles-Rechtsprechungsticker, www.tacheles-sozialhilfe.de











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